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Mein Laktatstufentest

Serie: mein Marathontraining von "0" auf "42"

Philip auf dem Laufband
Blutabnahme
Probe wird mittels Kapillare entnommen und in ein Reagenzglas gebracht

Die leistungsdiagnostische Abteilung des Instituts für Sport und Sportwissenschaft am KIT bietet unter Leitung von Dr. Sascha Härtel mit dem Laktatstufentest eine Möglichkeit zur Ermittlung der Ausdauerleistungsfähigkeit und gibt Empfehlungen zur Steuerung des Trainingsprozesses.

Grundlagen

Messgrundlage bildet Laktat, ein relativ einfach festzustellendes Stoffwechselprodukt der glykolytischen Energiewandlung. In Verbindung mit der Herzfrequenz repräsentiert es die Steuergröße für ein systematisches Training, da die Herzfrequenz individuell ist und alleine keine Aussage über die Leistungsfähigkeit treffen kann.

Zum besseren inhaltlichen Verständnis lohnt sich ein kurzer Exkurs in den Bereich der „Energiebereitstellung“:

Adenosintriphosphat (ATP), der Brennstoff der Muskulatur kann nur in geringem Ausmaß als Vorrat innerhalb der Zelle gespeichert werden. Bei anhaltenden Belastungen muss für ausreichend Nachschub gesorgt werden. Unserem Körper stehen dafür, je nach Intensität, verschiedene Optionen zur Verfügung.

Während niedriger Belastungen erfolgt die Resynthese von ATP unter Verbrauch von Sauerstoff durch die Spaltung von Glucose und Fettsäuren bzw. Glykogen und Fetten. Zwar besitzt unser Körper von diesen Speicherformen ein fast unerschöpfliches Reservoir, jedoch sind die Energieflussraten pro Zeiteinheit stark begrenzt. Man bezeichnet diese Form der Energiegewinnung als aeroben-alaktaziden (mit Sauerstoff & ohne Laktat) Energiestoffwechsel.

Bei hohen Belastungen reichen die Energieflussraten des aerob-alaktaziden Energiestoffwechsels nicht mehr aus. Deshalb wechselt unser Körper zur anaerob-laktaziden (ohne Sauerstoff & mit Laktat) Energiebereitstellung, welche eine deutlich höhere Energieflussrate bietet, indem sie Glucose ohne Sauerstoff unter der Bildung von Laktat verstoffwechselt. Dieses Laktat diffundiert aufgrund des Konzentrationsgefälles in die Blutlaufbahn und ist somit im peripheren Kapillarblut nachweisbar.

Bis zu einen gewissen Punkt hin kann Laktat (beispielsweise durch Leber und Herz) abgebaut werden. Häuft es sich allerdings immer weiter an, sorgt es dafür, dass das Zellmilieu immer „saurer“ wird und hemmt so Enzymfunktionen, die für die Resynthese von ATP nötig sind – der Läufer bricht die Belastung „vor lauter Erschöpfung“ ab.

Ablauf
Vor Beginn jedes leistungsdiagnostischen Verfahrens stehen die Erfassung von anthropometrischen Daten, eine Sportanamnese und die Definition von Zielen. Im Gegensatz zu meinem ersten (Feld-)Stufentest, wurde dieser Test aus organisatorischen Gründen auf dem Laufband durchgeführt. Beiden gleich war das Belastungsprotokoll 8-2-3, wobei die erste Zahl für die Einstieggeschwindigkeit, die zweite für den Geschwindigkeitsanstieg nach jeder Stufe und die dritte Zahl für die Dauer der jeweiligen Stufe steht (Anmerkung: Je nach körperlicher Leistungsfähigkeit werden unterschiedliche Protokolle gewählt). Ein Brustgurt überträgt die Signale des Herzmuskels während der sportlichen Betätigung auf den Monitor des Testleiters (hier: Florian Böckler – Student & Hilfswissenschaftler s Bild). Nachdem die Zirkulation im Ohr mit einer durchblutungsfördernden Creme angeregt wurde, wird das Läppchen mit einer Lanzette angepiekst. Aus dem Stich wird im Anschluss an jede Stufe eine Probe mittels Kapillare entnommen, die in einem kleinen Reagenzgefäß (s. Bild) zwischengelagert wird, bevor sie zur Auswertung in das Laktatanalysegerät gegeben wird. Abgesehen davon wird die dazugehörige Herzfrequenz notiert. Jenes wiederholt sich auch nach Abbruch der Belastung im Abstand von ein, drei und fünf Minuten.


Interpretation

Durch die grafische Darstellung der ermittelnden Laktatwerte können die aerobe und die anaerobe Schwelle, beides wesentliche Parameter des Stoffwechsels (hier: mithilfe der Software „ergonizer“ und dem Schwellenkonzept „Freiburger Modell“) bestimmt werden. Die aerobe Schwelle (engl. lactate threshold) bezeichnet den ersten merklichen Laktatanstieg. Von diesem Zeitpunkt an reicht die Energieausschöpfung der aeroben Verstoffwechslung nicht mehr aus. An der „individuellen“ anaerobe Schwelle (lactate steady state max.) halten sich Produktion und Abbau von Laktat gerade noch die Balance. Je länger die Kurve also flach bleibt, desto ausgeprägter ist die Grundlagenausdauer, da ein merklicher Anstieg des Laktats erst bei relativ hohen Geschwindigkeiten zu steigen beginnt.

Das Wissen um die beiden Grenzwerte liefert aufgrund von Formeln einer Software, die auf dem aktuellsten Stand sportwissenschaftlicher Forschung beruhen, zudem Zielzeitprognosen, die dem Sportler als Orientierung dienen können.


Im Laufe der Trainingsphase sollte sich die Laktatkurve nach rechts bzw. unten verschieben, um bei gleicher Geschwindigkeit weniger Laktat zugeordnet zu haben. Verantwortlich dafür sind Adaptionen des Herz-Kreislaufs-Systems und der Stoffwechselvorgänge.

Es ist bei meiner Kurve gut zu erkennen, dass sich im Bereich der Grundlagenausdauer Verbesserungen eingestellt haben. Die durchgezogene (neue) Linie befindet sich unterhalb der gestrichelten (alten) Linie. Es scheint so, als hätte sich das Grundlagenausdauertraining ausgezahlt. Jedoch steigt die Laktatkurve gerade im Bereich des „Wettkampftempos“ früher an. Ich werde mich definitiv auf den Bereich der Tempoläufe konzentrieren müssen, da die Werte dort deutlich schlechter geworden sind.

Ableitung für das Training

Anhand des Schwellenkonzeptes leiten sich Intensitätsvorgaben für die Trainingssteuerung ab. Unterhalb der aeroben Schwelle liegt der regenerative Trainingsbereich, wohingegen extensives Ausdauertraining bei ca. 70 bis 90 % der anaeroben Schwelle stattfindet. Zu guter Letzt findet intensives Ausdauertraining bei 90 bis 100 % der anaeroben Schwelle statt, wobei die Tempodauerläufe den höheren der beiden Werte verkörpern. (vgl. Kindermann, Standards der Sportmedizin, 2004)

Übrigens ist der häufigste Fehler der im Ausdauersport gemacht wird, dass in zu hohen Bereichen trainiert wird.

 

Diskussion

Warum konnte der zweite Laktatstufentest meine Erwartungen nicht erfüllen? Aufgrund meiner vermehrten sportlichen Aktivität durch mein Studium seit dem Test im Jahre 2010 und mittlerweile neun Wochen konstantem Training, bin ich von einer Verbesserung meiner Ausdauerleistungsfähigkeit und einer schnelleren Zielzeit ausgegangen.

Erklärungsversuche:

 

  • Zwischen Feld- und Laufbandstufentest können biomechanische und koordinative

Unterschiede bestehen, die im Mittel der Grundgesamtheit nachgewiesenermaßen zwar keine Differenzen ausmachen, beim Individuum jedoch zu Buche schlagen könnten.

  • Ein weiterer Unterschied zwischen meinem ersten Laktatstufentest und dem zweiten besteht im Gewicht meines Körpers. Drei Kilogramm entsprechen einer Erhöhung um 4%, die ich nicht unbedingt in Fettmasse, aber eher im Bereich des Oberkörpers zugenommen habe.
  • Beeinflusst kann das Ergebnis in geringem Ausmaß auch von der Tagesform. Dass ich mich aufgrund der relativ kurzen Vorbereitungszeit vor Einstieg ins Marathontraining, im Übertraining befinde, hoffe ich nicht.

Trotz des Rückschlags werde ich an meinem Ziel festhalten und versuchen alles dafür zu tun den Marathon in 3h zu bewältigen.

Bei Interesse und für genauere Informationen besuchen Sie: http://www.sport.kit.edu/2013.php oder schreiben Sie eine Mail an: Leistungsdiagnostik@sport.kit.edu.

Ihr Philip

 

Quellen

Kindermann, W. (2004). Standards der Sportmedizin. In: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, Jg. 55, Nr. 6, ab S.161.

Grosser, M. (2008). Das neue Konditionstraining. München: BLV Buchverlag.

P. Wahl, W. Bloch, J. Mester: Moderne Betrachtungsweisen des Laktats: Laktat ein überschätztes und zugleich unterschätztes Molekül. Schweizerische Zeitschrift für Sportmedizin und Sporttraumatologie 57 (3)/2009, S. 105

Weineck, J. (2009). Optimales Training. Balingen: Spittaverlag.

Härtel, S. (2010). Vorlesung: Diagnose & Beratung am IfSS des KIT.

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